Herbst 1813

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Am 4. Juni wurde ein von Napoleon nachgesuchter Waffenstillstand
abgeschlossen. Beide Parteien waren erschöpft. Aber keiner wollte aufgeben.
Inzwischen bemühte sich Österreich vergeblich, Napoleon endgültig zum
Frieden zu bewegen. Napoleon sträubte sich.

Schlacht bei Weißig 1813

Donkosaken in Paradeuniform

Zur historischen Situation im Herbst 1813:

Auch ein Friedenskongress in Prag im Juli / August
blieb ergebnislos. Man kann die Österreicher schon verstehen, dass sie am
18. August aktiv an die Seite Rußlands und Preußens übertraten.

Nach Ablauf des Waffenstillstandes, am 11. August 1813, während dem
Napoleon seine militärischen Hauptkräfte in Sachsen konzentriert hatte,
eröffneten französische Truppen die Kampfhandlungen mit dem Angriff auf die
von Blücher geführte Schlesische Armee. Blücher brachte dem französischen
Korps an der Katzbach am 26. August eine vernichtende Niederlage bei, in der
Schlacht bei Dresden am 26. / 27. August siegte Napoleon über die verbündete
Hauptarmee. Aber in den folgenden drei Wochen erlitten die Franzosen eine
Reihe von empfindlichen Niederlagen, die mit hohen Verlusten verbunden
waren. Mitte Oktober wurde die französische Streitmacht von den Verbündeten
bei Leipzig gestellt und der als Völkerschlacht bei Leipzig in die Weltgeschichte
eingegangene Schlacht vom 16. bis 19. Oktober 1813 vernichtend geschlagen.
Von den etwa 500.000 auf beiden Seiten eingesetzten Soldaten fielen etwa
126.000 -- ein für die damalige Zeit unvorstellbares Völkermorden.

Bereits während des Frühjahrsfeldzuges war unsere Gegend, betroffen besonders Oßling und Zeißholz, Schauplatz massiver
kriegerischen Handlungen. Jetzt, im Herbst 1813, erreichte die Kriegsmaschinerie erneut unsere Dörfer.
Der Oßlinger Pfarrer Fuhrmann vermerkte dazu in seinem Tagebuch:
"....bis 5. August die Franzosen hier, und Napoleon in Dresden, überall Franzosen im Quartier
den 25. August die Schlacht bey Großbeeren vor Berlin, die Franzosen geschlagen.
den 27. August, Schlacht bey Reknitz (Räcknitz) hinter Dresden, Moreau fällt.
den 16. September, Gr. Gefecht bey Weißig, wo der Prinz Biron von Kurland aus seinem Lager aus Zeißholz und Oßling mit 5.000
Russischen Kosaken bey Weißig die Königlich Würtenbergischen Dragoner überfiel und 300 Mann und Pferde gefangen machte,
wobey der Würtenb. Major Müller u. viele Würtenberger in den hiesigen Weißiger u. Milstricher Walde gefallen sind u. auch allda
sind begraben worden."

Kosaken in und um Zschornau

Herr Arno Mütze aus Zschornau schrieb in der „Bautzener Zeitung" im Oktober / November 1913 folgendes :
Der 11. September 1813 war ein denkwürdiger Tag für uns. Schon vor diesem Tage hatte man Kosaken, jene wilden Söhne des
Don und Ural, auf ihren kleinen, raschen Pferden in der Gegend umherschwärmen sehen. Furcht ging aber nicht lange vor diesen
Kriegern her. Sie waren bald im Dorf bekannt und verstanden es, sich die Zuneigung der Kinder zu erwerben. Diese liefen ihnen
entgegen und mancher Alte hat seinen Kindern und Enkeln überliefert, dass er als Kind von einem Kosaken aufs Pferd gesetzt
worden sei. Was sie an Speise für sich und als Futter für ihre Pferde brauchten, das nahmen sie aber auch, ohne erst groß um
Erlaubnis zu fragen.

Bei Mücklich in Zschornau hatte man endlich nach vieler Mühe Brot gebacken. Noch standen die Brote im wärmenden Ofen. Da
kommt ein Schwarm Kosaken, sie ziehen sie heraus und dieselben mit sich fortnehmend, lassen sie dem flehenden Wirt das
Nachsehen. Bei Heine in Zschornau brachte ein Kosak zwei gewöhnliche Getreidesäcke. Zwirn und Nähnadel sich erbittend,
werden sie von ihm kunstgerecht zusammengenäht und die auf diese Weise neu entstandene Hose sogleich angezogen.

Die Kosaken hatten auch gesehen, wie sich die Leute -- 1813 war ein pilzreiches Jahr -- öfters Pilze brieten. Sie konnten natürlich
nicht umhin, das sofort nachzuahmen. Dabei sollen sie aber auch „Fliegenpilze" mitgekocht haben. Die Folge war ein gewaltiges
Bauchgrimmen, für welche „Wutki" und nochmals „Wutki" etwas Linderung brachte.
 

 

Kosaken attackieren die Franzosen

Die mit den Russen verbündeten preußischen Grenadiere in Aufmarschstellung.

In Kamenz stand zu dieser Zeit General Normann mit 12.000 Württembergern und Franzosen (1806
waren Sachsen und Württemberg neben anderen deutschen Fürstentümern unter dem Druck Napoleons
dem „Rheinbund" beigetreten und hatten dafür die Königswürde erhalten, mußten aber Truppen für die
französischen Feldzüge stellen), die sich auf Markt, Gassen und am Hutberge gelagert hatten und die
Tore der Stadt sperrten, um einem über Kamenz nach Dresden gehenden Armeekorps als Deckung zu dienen. Die in der Gegend
von Kamenz sich aufhaltenden Kosaken neckten die Württemberger immer wieder, indem sie sich bis in das auf dem Sandberge
befindliche Büschchen, seit dieser Zeit den Namen „Kosakenbüschel" führend, wagten und dann pfeilschnell wieder zurückkehrten.
Wohl wurde dann und wann vom Fuße des Hutberges aus eine Kanonenkugel gegen die Zudringlinge abgelassen, von denen eine
sogar einmal die Gehöfte von Zschornau erreichte; doch störte das die Kosaken auf ihren Streifereien wenig. Da beschloß General
Normann, die sich täglich zeigenden Kosaken zurückzutreiben.
 
Franzosen und Württemberger greifen an

Granitener Grenzstein an der sächsisch / preußischen Grenze nördlich von Weißig.

Es war am 11. September 1813, gerade an einem Feiertage, vormittags in der 9. Stunde, als die
Württemberger und Franzosen ausrückten und über Bernbruch nach Biehla marschierend, die Kosaken
vor sich hertrieben. An der Bernbruch - Biehla Straße, bei „Wendts- Sträuchern", wendete sich die
Artillerie und Infanterie und ging sogleich rechts über das Dominialfeld des Rittergutes Biehla. Die Heidekornstoppeln wandelten
sich in eine festgetretene Tenne. Die Württemberger Militärs nahmen endlich auf dem Lindenberg Stellung, um von hier aus eine
von den Umständen und dem Terrain gebotene Beobachtungsstellung einzunehmen. Die reitenden Württemberger dagegen
setzten ihre Bewegung auf der Straße von Biehla fort, verließen dieselbe aber in der Nähe des Rasthauses, wendeten sich auf
die westliche Seite des Dorfes und die herrschaftliche Hofewiese passierend, erreichten sie hinter dem Dorfe den ins Gebüsch
einmündenden Biehla - Weißiger - Fahrweg.

Schon hier war es aufgefallen, wie der Befehlhaber der Eskadron, Major Müller, der einen Schimmel ritt, sich zu weit von seinen
Leuten wagte, so dass man denselben mehrmals inmitten der Kosaken erblickte. Mit verhängten Zügeln ging es nun in den Wald
hinein. In dem Gebüsche begann nun der eigentliche Kampf, der sich freilich den beobachtenden Blicken der Biehlaer Ortsbewohner
entzog. Der Wald wurde lebendig wie ein Ameisenhaufen. Die Kosaken hatten erreicht, was sie erreichen wollten. Ihnen war die
sumpfige Gegend der hier angrenzenden Flurstücke von Biehla, Weißig und Schiedel bekannt. Wohl trug der Boden ihre leichten
Pferde, aber durch den raschen Ritt auf solchem beschwerlichen Boden wurden die Württemberger aus ihre Reihen gedrängt.
Eine Abteilung russischer Soldaten, von Döbra und Milstrich herkommend, fiel den Württembergern in den Rücken, und so gelang
es den Kosaken, das Netz von allen Seiten mehr und mehr zusammenzuziehen zum entscheidensten Nachteile für die Württemberger.
Auch war es den Kosaken gelungen, den Major Müller von seiner Umgebung abzuschneiden. Auf „Waurenschkes Wiese", Flur Weißig,
sank derselbe, von 6 - 7 Lanzenstichen getroffen, zu Boden. Damit nicht zufrieden, beraubte man auch noch den Tapferen seiner
sämtlichen Kleidung. Nur vom Hemd bedeckt, dessen Feinheit Verwunderung erregte, wurde der hehre Tote von dem
Gartennahrungsbesitzer Stucke aus Biehla auf einem Schubkarren, in Begleitung eines größeren Transportes Verwundeter, über
Zschornau nach Kamenz gebracht, wo er auch beerdigt wurde.

Auf der Stelle, wo Major Müller gefallen war, ließ Rittmeister von Zehmen auf Weißig (Heinrich Ludwig von Zehmen 1743 - 1831)
einen gewöhnlichen Stein aufrichten. Doch ist derselbe aus Mangel an Pietät gegen einen denkwürdigen Ort wieder entfernt worden.

Man machte viele Gefangene. Auf Weißiger Flur gab es außerdem noch drei Tote. Ein Mann war am Fuße der östlichen Seite des
Doberberges gefallen, und zwei Mann auf dem Wege, der auf der westlichen Seite des Berges in das Dorf Weißig führt. Sie wurden
von der dortigen Gemeinde auf der herrschaftlichen neuen Teichwiese beerdigt, und es nahmen an dem Leichenbegängnis selbst
einige Frauen in Trauerkleidung teil. Auf ihr gemeinschaftliches Grab hat man später eine Eiche gepflanzt und so das Grab der
ihrem Namen nach ganz unbekannten Krieger gekennzeichnet. Drei andere Tote wurden auf Schiedeler Flur aufgehoben und am
Saume des Waldes, im Flurstück „Hallen", gemeinschaftlich beerdigt. Ihre Grabstätte ziert kein äußeres Zeichen.

Die Kosaken verfolgten die Württemberger über Zschornau hinaus, und es gelang ihnen, noch einige Gefangene zu machen, die
aber barbarische Behandlung zu erdulden hatten. So führte gerade im Orte Zschornau ein jüngerer Kosak einen an eine Leine
gebundenen Gefangenen und behandelte ihn barbarisch. Das sieht ein älterer Kosak und ruft :„Scholma, Scholma"! wörtlich
ungefähr „Schonung", um seinen Kameraden an menschliches Gefühl zu erinnern.
General Normann hatte zwei Eskadronen seiner Cheveauxlegers verloren und ging bald darauf nach Dresden zurück.
Die siegreichen Kosaken , welche „nicht einen Mann" verloren haben sollen, gingen über den sogenannten Ziegenberg des Ortes
Weißig nach Zeißholz, um in eben derselben Weise wieder andere feindliche Kolonnen aufzusuchen und zu beunruhigen.

Apropos Ziegenberg. Wo ist der Ziegenberg? In der näheren und weiteren Umgebung von Weißig gibt es keine Erhebung diesen
Namens. Irrt sich hier der Chronist? Sicher nicht. Vielleicht wurde zu dieser Zeit noch der 188,3 m hohe Windmühlenberg so
bezeichnet. Wahrscheinlich haben die Weißiger ihre Ziegen auf diesem Berg weiden lassen und ihn deshalb so genannt ? Geht
nicht, wird mancher sagen, da alles voller Sträucher und Bäume, Efeu und Heidekraut, dass selbst eine Ziege kein Futter mehr
findet? Doch ist es möglich, da Anfang des 19. Jahrhunderts der Windmühlenberg noch unbewaldet war und man von dort weit
ins Land schauen konnte. Und selbst bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die westliche Hälfte des Berges noch mit Feldern
versehen. Für Kartoffeln und Getreide gerade noch brauchbar. Aber viel, viel Steine, die oft den Pflug einschließlich Kutscher
aus der Furche warfen. Die ganze Geschichte zeigt aber, wie geschichtsträchtig, aber auch „steinreich" der Ort Weißig ist.

Das Ende der Befreiungskriege ist bekannt. Napoleon wurde vernichtend geschlagen. Sachsen, als Verbündeter Frankreichs, stand
wieder einmal auf der falschen Seite und wurde dafür empfindlich bestraft. Auf Entscheidung des Wiener Kongresses 1815 verlor
es entscheidende nördliche Teile seines Territoriums an Preußen. Die Grenze wurde etwa drei Kilometer nördlich von Weißig
festgelegt und ist noch heute an Hand der granitenen Grenzsteine nachvollziehbar. Lieske und Oßling kamen zu Preußen, aber
bereits drei Jahre später wieder nach Sachsen zurück.


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