Karpfen aus dem Süden

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Warum gerade der Karpfen? „Der Karpfen ist ein ausgesprochener
Teichfisch, der namentlich rascher fließendes Wasser meidet. Am besten
gedeiht er in großen, nicht allzu tiefen Landseen mit reichlichem
Pflanzenwuchs. Eine von Schilf und Rohr verursachte Beschattung des
Wassers, die ein ausgiebiges Erwärmen desselben verhindert, liebt er nicht.

Dieses prachtvolle Karpfen-Exemplar ging
dem Angler am Altteich an die Rute.

Wesentliche Bedingung seines Wohlbefindens ist ein
weicher, schlammiger Boden, woraus er seine
Nahrung aufnehmen kann. Man findet den Karpfen
außer in Teichen und Seen in Flüssen mit stehenden
oder träge fließenden Altwässern, seltener schon im eigentlichen Fluss-
bett, nie aber in kalten Quellbächen mit klarem Wasser oder Kies- oder
Sandgrund". 

Die Bedingungen zum Anlegen von Teichen, den sog. „Lausitzer Teichen",
sind in großen Teilen der Oberlausitz besonders günstig. Leicht
abfallendes Gelände, stetiger langsamer Wasserzu- und -abfluss, Lehm-
oder Tonschichten im Untergrund, um das Versickern des Wassers zu
verhindern. Die Teiche befanden und befinden sich im sorbischen
Altsiedelgebiet. Man wird davon ausgehen müssen, dass die sorbischen
Untertanen auf Geheiß ihrer deutschen Herren geeignete Flächen
andeichten und in Teiche umwandelten.

In unserem Raum gebührt weniger den Mönchen, sondern mehr dem Adel
das Verdienst um die Schaffung zahlreicher Teichwirtschaften. Der Adel
besaß die dafür notwendigen Flächen. Und er scheute auch nicht davor
zurück, sich das Eigentum anderer, meist kleiner Landbesitzer, Gemeindeeigentum oder „Bauernteiche", mit brachialer Gewalt
einzuverleiben. Oft gehörte auch die Wasserzufuhr dem Grundbesitzer. Der Landadel nahm sich auch das „Recht" zu
dessen Besitznahme. Bemerkenswert ist, dass die gesetzgebenden „Stände" (Besitzer von landtafelfähigen Rittergütern,
der Dekan des Domstifts St. Petri in Bautzen, die Vögte der Klöster St. Marienstern und St. Marienthal, Vertreter des
Sechs-Städte-Bundes) über den Oberlausitzer Landtag eine große Machtfülle ausübten. Sie hatten sich beispielsweise
das Privileg gesichert, dass in der Oberlausitz nur derjenige Oberamtshauptmann oder Amtshauptmann werden konnte,
der ein landtafelfähiges Rittergut besaß. Dementsprechend wurden auch Gesetze gestaltet und angewendet.

Mit dem Aufkommen der Oberlausitzer Fischwirtschaft im 14. Jahrhundert bildete sie eine der wichtigsten
Einnahmequellen des herrschaftlichen Budgets, annähernd vergleichbar mit den sich seit dem 15. Jahrhundert
zusehends versilbernden Holznutzungen. Der Bau von Teichen, die Schaffung ganzer Teichwirtschaften auf sumpfigen
und den wasserreichen, sonst unfruchtbaren sandigen Flächen, müssten mit dem ausgehenden 14. Jahrhundert
geradezu zwingend erscheinen.

Hinzu kam die aufwendige Lebensführung des Adels und die standesgemäße Verheiratung der zahlreichen
Nachkommenschaft. Beides zusammengenommen überstieg die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit seines Besitztums bei
weitem. Allzu oft mussten vor dem Erbfall bzw. für die Mitgift Teile der Besitzungen verpfändet oder veräußert werden,
eine Maßnahme, die häufig zur Katastrophe führte.

Die ersten Teiche in Weißig und Umgebung

In Hoyerswerda werden die ersten Teiche aus dem Jahre 1454 im Besitz der damaligen Standesherrschaft erwähnt,
1500 befinden sich in Oßling Teiche im bürgerlichen Besitz und das Rittergut in das Deutschbaselitz nennt 1503 ein oder
mehrere Gewässer sein eigen. Auch Teiche in der Otterschütz finden bereits 1506, im Besitz der Standesherrschaft,
Erwähnung. Ob die Otterschütz derzeit als Vorwerk, und seit 1905 eigenständiges Dorf, zu Weißig gehörte, ist nicht
erwiesen. Dorf und Weißig gehörten zu dieser Zeit Melchior von Poster (1506 - 1509).

Die erste urkundliche Erwähnung für die Teiche in Biehla, Döbra, Skaska und -- namentlich -- Weißig findet man aus
dem Jahre 1567, im Besitz der jeweiligen Rittergüter. Lediglich die Teiche von Schiedel, 1538 erstmals erwähnt, befinden
sich im Besitz des Klosters St. Marienstern.

In Weißig residierte derzeit (1562 - 1569) der Rittergutsbesitzer Hans von Baudissin.

Ausschnitt aus einer Karte von 1921, die wichtigsten Teiche des Rittergutes Weißig darstellend.

Über die Anzahl der Teiche gibt es unterschiedliche Angaben. A. Schumann berichtet in seinem Lexikon
von 1825: "Ein nördlich vom Orte entspringender Bach umfließt ihn (den Ort) in einiger Entfernung, und
läuft dann in östlicher Richtung nach Dobra hinab, wo er, durch den Lieskauer Bach verstärkt, nach meil-
en weitem Laufe die Elster erreicht. Er speist auch die hiesigen 6 Teiche, davon der unterste schon an-
sehnlich ist. Dieser liegt südlich vom Orte, zwischen dem Weißiger Doberberg und dem Biehlaer Lindenberg".

Und an anderer Stelle schreibt er vom Weißiger Großteich: "Unter den 21 herrschaftlichen Teichen liegt der
größte südwestlich unterm Doberberg, und dient oft als Feldboden; sein (und also der ganze Teich=) Abgang geht 1
Stunde weit ostwärts zur Elster nach Döbern".

Ob der Altteich, oder im Volksmund auch Badeteich genannt, wirklich der älteste Weißiger Teich ist, konnte nicht ermittelt
werden. Es ist aber zu vermuten, dass er auf Grund seiner geographischen Lage und der damals günstigen
Wasserzufuhr aus dem "Müllerborn" ( Quelle nahe der ehemaligen Windmühle ) als erster angelegt wurde. Auch eine
andere, schriftliche Quelle weist darauf hin.

Im „Inventar und Beilass des Rittergutes Weißig, wie solches den 18. April 1718 an Johann Adolph v.
Ponickau übergeben wurde", heißt es u.a.: "Alle vorhandenen Streichkarpfen nebst den sowohl im alten Teiche, als
auch sonsten annoch befindlichen vierjährigen Karpfen, Samen und heurigem Karpfenstrich".

Mit dieser extra Darstellung wird bei der Bewertung von Rittergütern der hohe Stellenwert der Fischwirtschaft
hervorgehoben.

Ausbildung

Die Intensivierung von Ackerbau und Viehzucht nach der Mitte des 19. Jahrhunderts war untrennbar mit der Anwendung
von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und mit der Berufsausbildung verbunden. Noch bevor sich der Staat um das
Berufsschulwesen kümmerte, schritten versierte Landwirte aus der Praxis zur Tat. In einigen „Ackerbauschulen" fand
auch die Fischzucht Berücksichtigung.

Die erste „Eigentliche Landwirtschaftliche Schule in Sachsen" richtete der Rittergutspächter Ernst Theodor Stöckhardt auf
Brösa 1848/ 49 ein. Zu den Lehrgegenständen im Fach Viehzucht gehörte auch die Fischzucht. Aus dem Lehrprogramm
wird ersichtlich, dass die Rittergutsbesitzer sehr schnell die Bedeutung der Anwendung neuer wissenschaftlicher
Erkenntnisse in ihren Wirtschaften erkannt hatten, deshalb auch das Augenmerk auf die Fischzucht und die Nivellierkunst
richteten. Die Landwirtschaftliche Lehranstalt in Bautzen unterrichtete von 1882 bis 1945 Fischerei und Fischzucht im
Rahmen der Zoologie.

Besondere Verdienste erwarb sich der Rittergutsbesitzer Oskar Horst von Zehmen. Er übernahm im Jahre 1900 die über
50 Jahre verpachtet gewesene, völlig unrentable Teichwirtschaft und führte sie mit wissenschaftlichen Methoden durch
Wasserverbesserung, Teichdüngung, Zuchtwahl der Fische und anderem zu hohen Ansehen. Seine Bemühungen um die
Teichwirtschaft fanden deutschlandweit Anerkennung.

Der 1884 gegründete Sächsische Fischereiverein würdigte seine Arbeit, indem er seine 51.
Hauptversammlung im Juni 1921 nach Weißig verlegte und sich durch Vortrag und Demonstration
die Ergebnisse zu eigen machte. Diese Versammlung war auch Anlass einer Forderung an die
Sächsische Staatsregierung, eine „Teichwirtschaftliche Versuchsstation" ins Leben zu rufen.


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