Einnahmequelle bis Volkseigentum

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Teichwirtschaft als eine stabile Einnahmequelle Fischwirtschaft, Wald
und zeitweise der Steinbruch waren die Haupteinnahmequelle für die adlige
Familie von Zehmen. Zu diese Zeit gab es in Weißig 28 Teiche, deren Anzahl
oft durch Stillegung oder Neuaufschluss verändert worden ist. Beispielsweise
entstand bis 1921 der Horstteich aus einer verschilften und versumpften Wiese.

Das Abfischen erfolgte meist bei nasskaltem Wetter
im Herbst in mühevoller Handarbeit durch viele
Helfer Thilo von Zehmen, Sohn des Horst von Zeh-
men, beschreibt den Ablauf der Fischernte so: "In
Körben wurden die Fische auf Zähltische gebracht
und mit frischem Wasser sauber gespült. Sodann
wurden sie nach Gewicht und Altersklassen in die
daneben stehenden großen Bütten gezählt und aufge-
schrieben. Aus den Bütten wurden sie mit Käschern
in die Fässer der hin und her fahrenden Pferdegespannegebracht und nach den
großen Hältern am Teichwärterhaus gefahren. Von dort aus wurden sie
dann in Spezialwagen der Eisenbahn verladen, die bis an die Hälter heran-
fahren konnte. Per Eisenbahn wurden dann die großen Transporte bis an die
Elbe gebracht, woselbst die Fische in sogenannte Fischtransportzillen um-
geladen und immer im frischen, fließenden Wasser des Elbstromes bis nach
Hamburg gebracht wurden".

Für den genannten Abtransport zum Bahnhof Straßgräbchen / Bernsdorf
benutzte man bis etwa 1935 die an den Teichen vorbeiführende Kleinbahn des
früheren Weißiger Steinbruchs, die sogenannte Doberbergbahn.

Nicht immer verlief die Fischerei so harmonisch wie oben beschrieben. Es gab
auch Ärger mit den Anliegern. Am 3. September 1937 erhielt der damalige
Teichbesitzer Georg von Zehmen vom Amtshauptmann von Kamenz einen
Strafbescheid in Höhe von 9,50 RM, weil "der Rocknitzgraben bei den Flurstücken Nr. 434/435 am Weißiger Großteich
durch die Rittergutsverwaltung Weißig um etwa 1,20 m angespannt worden ist, sodass das Wasser dieses Wasserlaufes
bis in den Salisgraben zurückgestaut und dort die angrenzenden Wiesen am „Alten Teich" und „Neuen Teich" unter
Wasser gesetzt hat".

Um solchen Dingen vorzubeugen, war bereits am 8. März 1913 eine "Unterhaltungsgenossenschaft für den
Rocknitzgraben mit dem Salisgraben" gegründet worden, die alle Grundstücksanlieger dieser Gewässer verpflichtete,
stets für die Einhaltung bestimmter, vorgeschriebener Regeln Sorge zu tragen. Das galt für "die Gemeinden Biehla,
Weißig, Lieske, Milstrich, Döbra und Skaska, sowie in den Gutsbezirken der Rittergüter Biehla, Weißig, Lieske, Döbra und
Skaska".

Nach Erreichen seines 25. Lebensjahres im Jahre 1932 übernahm Georg von Zehmen die Herrschaft über Schloss und
Rittergut Weißig, und damit auch über die Teiche. Zu dieser Zeit war bereits der Fischmeister Schöne aus Straßgräbchen
als Angestellter der Zehmens für den Betrieb der Teichwirtschaft verantwortlich. Er wohnte auch im Fischhaus. Aber
bereits 1940, möglicherweise auch früher, trat Emil Lesche aus Schiedel, der außerdem ein Installations- und
Fuhrgeschäft betrieb, als Pächter auf den Plan.

Emil Lesche betrieb die Teichwirtschaft zunächst bis Kriegsende. In den Wirren zum Ende des II. Weltkrieges wurden die
Teiche in Mitleidenschaft gezogen. Einige Teiche waren abgelassen worden. Nach Augenzeugen schwammen auf den
Großteichwiesen lebende und tote Fische herum. Es musste neu begonnen werden.

Bodenreform

Nach dem II. Weltkrieg wurden im Zuge der Bodenreform die Teiche in staatliche Verwaltung genommen. Es gab
mehrere Versuche der Margot von Zehmen (ihr Mann Georg war bereits Anfang 1942 verstorben), sowie ihr
nahestehender Personen, die Enteignung der Teiche vollständig oder teilweise zu verhindern.

So schreibt der Rechtsanwalt Dr. Günter Voigt aus Kamenz, Testamentsvollstrecker von Georg von Zehmen, an den
Kamenzer Landrat am 19. September 1945 u.a.: "Damit Frau von Zehmen und ihre beiden Kinder überhaupt eine
Lebensmöglichkeit haben, bitte ich, ihnen aus dem Bodenfonds die Teichwirtschaft, sowie das jetzt von Frau von Zehmen
und den Kindern bewohnte Haus auf dem Gutshofe mit Obst- und Gemüsegarten zuzuteilen und für die enteigneten
Flächen eine Entschädigung zu gewähren".

Der damalige Weißiger Bürgermeister Max Heyne widersetzt sich diesem Ansinnen: "...Die Teiche sind ein geschlossenes
Ganzes von ungefähr 100 ha, alles halb verludert. Soll das so weitergehen?...  ...Die Gemeinde Weißig würde die Teiche
im geschlossenen Ganzen in Gemeinde- Besitz übernehmen, und die Gewähr würde vorhanden sein, dass sie gut und
rationell bewirtschaftet werden. Wir verlangen kein Betriebskapital dazu, wie die Erben. Im Gegenteil, ich warte darauf,
wo ich endgültig Bescheid habe, damit die Arbeit losgehen kann und ich eine Bewässerung vornehmen kann....

Wir fordern, wie es die Verordnung vorschreibt, entschädigungslose Enteignung, und zwar so schnell wie möglich, an den
Teichen muss gearbeitet werden. Jede Stunde ist kostbar. Aufteilen wollen wir sie nicht, das wäre sinnlos, aber
geschlossen in die Gemeinde aufnehmen. Unsere Arbeiter warten darauf, endlich auch einmal richtige Löhne zu erhalten,
für die schwere Arbeit. Nochmals, unser Dorf protestiert, es will das Junkertum und den Militarismus an der Wurzel
ausrotten".

Unterstützt wird diese Forderung mit einer Unterschriftenliste der Weißiger Dorfbewohner.

Teichpächter Emil Lesche

Die Teiche wurden aber nicht an die Gemeinde vergeben, sondern an Emil Lesche aus Schiedel verpachtet, der die
Teiche vermutlich bereits 1940 in Pacht genommen hatte. Das besagt eine Rechnung vom 9. März 1940 von J.v.Davier,
Teichbetreiber in Döbra und Geeste (Kreis Meppen, Hannover). Darin stellt er Lesche die Lieferung von "..1 Ctr.
garantiert zweisömmriger Satzkarpfen zum Preise von RM 87,-- ab Winterung.." in Rechnung.

Es sind leider wenig Dokumente aus dieser Zeit vorhanden. Zwei vergilbte und beschädigte Urkunden sind von Uwe
Bräuer aus einem Schuttloch gerettet und zur Restaurierung gegeben worden. Ein Teichbuch, geführt von 1950 bis 1961,
ist erhalten geblieben und gibt detaillierte Auskunft über den Besatz der Teiche, Düngung, Erträge und Verluste. Es
wurde uns freundlicherweise von Herrn Klaus Böttner aus Kamenz zur Verfügung gestellt. Die dominierenden Fischarten
sind Karpfen und Schleie, ab 1954 in geringer Stückzahl Hechte und nur im Jahre 1950 einige Barsche aus dem
Großteich.

Außer der Fischzucht dienten die Teiche nach dem II. Weltkrieg auch als Rohstofflieferanten. Im Winter wurde das aus
dem Eis ragende Schilf in schwerer Handarbeit mit der Sichel geschnitten, auf den Schlitten gepackt und in die Nähe des
Steinbruchs gebracht. Dort hatte Joseph Beckert aus einem alten Lokschuppen eine Produktionsstätte gemacht. Aus dem
Schilf wurden u.a. Abstreicher, Taschen und Schuhe gefertigt. Nicht zu vergessen das große Wasserreservoire der
Teiche. Im Winter versagten im Ort oft die Brunnen. Mit Eimern und Kannen wurde das Wasser, nachdem das Eis
aufgehackt war, für das Vieh zum Tränken oder zum Baden im Kinderheim geholt.

Helga und Uwe Bräuer übernehmen 1961 die Teichwirtschaft in Weißig

Der Staat übernimmt die Teiche selbst

1961 kamen die Teiche zum VEB Binnenfischerei Dresden unter Leitung von Diplom-Fischereiingenieur Uwe
Bräuer. Wesentliche Hilfe bei der Einarbeitung leistete Ernst Henack, der schon bei Zehmen und auch bei
Lesche in der Teichwirtschaft gearbeitet hatte. Bei der Übernahme herrschten schlechte Arbeitsbedingungen.
Außer einigen einfachen Arbeitsgeräten war nichts vorhanden, keine Gebäude, keine Lagermöglichkeiten. Lange Zeit
wurden in Teilen der Rittergutsscheunen Dünger und Futtermittel gelagert, was natürlich ständig einen weiten und
uneffektiven Transportweg bedeutete. Erst Schritt für Schritt sind die Bedingungen verbessert und die Effektivität erhöht
worden.

1962 wurde das alte Teichhaus ausgebaut. In Handarbeit sind die stark verwachsenen Teiche entschilft und
produktionswirksam gemacht worden. 1963 erfolgte der Bau einer Lagerhalle für Getreide, Düngemittel und Geräte;
außerdem wurde ein Entenstall gebaut für 1500 Legeenten. 1964 wurde der Bau eines Garagen- und Werkstattgebäudes
notwendig, da sich der Bestand an Fahrzeugen stark vergrößert hatte.

Ende der 60er Jahre wurden die Teichwirtschaften Biehla und Cunnersdorf an Weißig angegliedert, so dass der
Gesamtbestand nun 50 Teiche mit 210 ha Nutzfläche betrug. Die Leitung übernahm Diplomingenieur Uwe Bräuer. 1972
war der Bau einer Siloanlage mit einer dahin führenden Betonstraße erforderlich.

Neben der Fischzucht spielte die Geflügelzucht eine immer größere Rolle.

Der alte Entenstall wurde abgerissen und an dessen Stelle ein neuer massiver gebaut. 70.000 Enten wurden
1969 gemästet und jährlich etwa 300.000 Enteneier in Weißig und Cunnersdorf produziert. Dazu kam das
Mästen von mehreren Tausend Gänsen.

1976 erfolgte der Bau eines modernen Wohn- und Sozialgebäudes mit Büro, Kulturraum, Sozialeinrichtungen
für die Beschäftigten, eine Wohnung für den Leiter der Teichwirtschaft sowie Wohnungen für Lehrlinge und
junge Facharbeiter. Der Fahrzeugbestand wurde stark vergrößert, so dass die Arbeit leichter und effektiver wurde.



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